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GESCHICHTE

Geschichte der FFW Engensen

An dieser Stelle möchte ich unseren Chronisten zu Wort kommen lassen, der anlässlich unseres 100 jährigen Jubiläum eine Chronik über die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr zu Engensen verfasst hat :

100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Engensen

Wenn nachstehend über die Geschichte unserer Freiwilligen Feuerwehr berichtet wird, so kann das in diesem Rahmen nur unvollkommen geschehen. Aber es soll in zusammenhängender Form ein interessanter Einblick in das Leben der Freiwilligen Feuerwehr, das durch Kriege und wirtschaftliche Veränderungen mit beeinflusst wurde, gegeben werden. Dies sei vorangestellt:

Es hat in den vielen Jahrzehnten immer wieder tüchtige Männer gegeben, die in guten, wie in schlechten Zeiten sich der Freiwilligen Feuerwehr uneigennützig zur Verfügung stellten, um des Nächsten Hab und Gut zu schützen, den Zusammenhalt innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr zu fördern und zu stärken und das Ansehen zu mehren. Mögen solche idealistisch gesinnten Männer auch in Zukunft immer bereitstehen, damit die Freiwillige Feuerwehr Engensen nichts von ihrer Lebendigkeit und Kameradschaft verliert.

Genau wie in anderen Orten, waren auch in Engensen die Menschen nicht vor Bränden geschützt. Diese Brände zeigten in erschreckender Weise die Unfähigkeit der Brandstellenleitung und den Mangel an Unterordnung der Mannschaften. Jeder wollte befehlen, keiner gehorchen. Zwar versuchte man die Rückständigkeiten zu verbessern und schaffte sich im Jahre 1770 in unserem Dorf 10 Feuerleitern und Feuerhaken, sowie 14 Feuereimer an. Doch der Weg zur Gründung einer Feuerwehr, bestehend aus freiwilligen Bürgern unseres Ortes war noch weit entfernt. So geschah es dann in Engensen am 23. Mai Anno1897.

Alle stimmberechtigten männlichen Gemeindemitglieder, die das 18 Lebensjahr vollendet hatten, wurden zu einer Versammlung in das Schullokal geladen. Hier sollte die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr erfolgen. Von 269 Stimmberechtigten des Dorfes waren 144 Gemeindemitglieder erschienen. Sie waren einstimmig für die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr. Auf einer im Juli 1897 einberufenen ersten Versammlung, in der Gastwirtschaft Heinrich von Hänigsen (ehemals Maschmeier/Kohlrust), traten 34 Männer der Freiwilligen Feuerwehr bei. Als Feuerwehrhauptmann wurde Heinrich Raabe gewählt. Man beschloss am Pfingstsonntag gemeinsam in den Nachbarort Wettmar zu marschieren, um die Übung der dortigen Wehr mit anzusehen.

Für die Anschaffung einer Feuerwehrspritze, die von einem Pferdegespann gezogen werden mußte, wurde ein Kredit von der Gemeinde aufgenommen. Diese Feuerwehrspritze ist heute noch in dem Besitz unserer Wehr.
Mit Genehmigung des Königlichen Landratsamtes zu Burgdorf, wurde die Freiwillige Feuerwehr zu Engensen in dem am 2.Juni 1897 erstellten Grundgesetz verankert. Auszüge aus diesem lauten:

§

Die freiwillige Feuerwehr zu Engensen hat den Zweck, bei Feuersgefahr im Dorfe Engensen und dessen nächster Umgebung tätige Hilfe zu leisten.

§

Der Eintritt in die Feuerwehr steht jedem unbescholtenen Bewohner von Engensen, der das 18. Lebensjahr zurückgelegt hat, frei. Anmeldungen zur Aufnahme in dieselbe geschen durch persönliche Vorstellung in der Wohnung des Hauptmannes.

§

Jedes Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr hat in und außer dem Dienste ein ehrenhaftes männliches Betragen, insbesondere im Dienst Nüchternheit, Pünktlichkeit, Ruhe, Ausdauer, unbedingtes Gehorsam und, wenn es gilt, Mut und Besonnenheit zu zeigen.

§

Wer bei einem Brande zu erscheinen behindert gewesen, einer Übung oder einer Versammlung beizuwohnen, so hat er das binnen 3 Tagen nachher dem Abteilungsleiter unter Anführung der Ursache anzuzeigen.

§

In den darauffolgenden Jahren wurden mit Übungen am Gerät und kameradschaftliches Leben die Mitgliederzahl erweitert, so das bis zum Jahre 1900 die Mitgliederzahl auf 56 anstieg. Im Mai 1900 übernahm Feuerwehrhauptmann L. Knoop die Führung der Wehr. In einer am 15 Januar 1907 einberufenen Kommandositzung wurde unter Tagesordnungspunkt 4 die Gründung eines Musikkorps nach längerer Debatte beschlossen. Seit dieser Gründung bis in die heutige Zeit haben sich immer wieder Kameraden verpflichtet gefühlt, für Anlässe im Feuerwehrwesen und bei vielen anderen Gelegenheiten im dörflichen Gemeinschaftsleben die musikalische Tradition mit Ihrem Liedgut fortzuführen, zur eigenen Freude und zur Freude der Kameraden und aller Bürger. Der Musikzug kann im Jubiläumsjahr auf ein 90 jähriges Bestehen zurückblicken.

Mit Beginn des ersten Weltkrieges trat L. Knoop aus Altersgründen als Hauptmann zurück. An seiner Stelle übernahm Heinrich Lindemann die Führung der Wehr. Nach achtjähriger Dienstzeit legte Feuerwehrhauptmann Heinrich Lindemann sein Amt nieder. Im Januar l923 wurde Heinrich Knoop zum Feuerwehrhauptmann gewählt. Am 29.11.1927 wurde in einer Gemeinderatsversammlung beschlossen einen Schlauchturm anzuschaffen. Das erforderliche Holz sollte vom Otzer Weg genommen werden, soweit es brauchbar sei. Die Schalung sollte ein Zimmermann liefern, der die Ausführung des Turmes übernommen hatte. Als technischer Fortschritt war die Errichtung dieses Feuerwehrturmes zur Trocknung der Feuerwehrschläuche gedacht. Diese wurden gelegentlich in den nahestehenden Eichen zur Trocknung aufgehängt. An größeren Bränden wäre für diese Zeit der Vollbrand auf der Hofstelle Wiekenberg (heute F .Oelkers) zu benennen, der im Sommer 1923 den Hof einäscherte. Auch das alte Mühlenhaus wurde in dieser Zeit ein Opfer der Flammen. Ein weiterer Vollbrand suchte die Hofstelle Kahle im Jahre 1928 heim. Die Feuerwehrkameraden konnten trotz ihres Einsatzes die Vernichtung der Hofstellen nicht verhindern.

Aufgeschreckt durch zwei dicht aufeinanderfolgende Vollbrände wurde die Weiterentwicklung der Wehr begünstigt und eine Zunahme von Kameraden war weiter zu verzeichnen. Kurz vor Beginn des 2. Weltkrieges erfolgte im Jahre 1935 ein Führungswechsel. Als Nachfolger des ausscheidenden Feuerwehrhauptmannes Heinrich Knoop wurde Wilhelm Thiele an die Spitze der Wehr gewählt. Er hatte dieses Amt bis zu seinem Tode 1957 inne.

Im Jahre 1933 erhellte das Dorf in einen hellen Feuerschein. Die Scheune und der angrenzende Viehstall der Hofstelle Grundstedt standen in Flammen. Auch durch den großen Einsatz der Kameraden waren die Gebäude nicht zu retten. Diese und die darauffolgenden Jahre waren durch den verheerenden 2. Weltkrieg überschattet und die Weiterentwicklung der Wehr war durch das Einberufen der Kameraden zum Kriegsdienst gehemmt. Zum Glück hatte der 2. Weltkrieg keine nennenswerte Schäden in unserem Dorf hinterlassen, so dass nach Beendigung des Krieges an eine Weiterentwicklung der Wehr gedacht werden konnte. In diesen Jahren beging die Wehr ihr 50 jähriges Jubiläum.

Im Winter des Jahres 1947 war die Feuerwehrspritze letztmalig im Einsatz. Ein harter Winter mit sehr viel Schneefall führte bei eintretendem Tauwetter zu erheblichen Wassermassen, die unter anderem von dem Lahberg abwärts in die Wohnstube der Fam. von der Lühe flossen und so zu erheblichen Überschwemmungen führten. Hierbei wurde die Feuerwehrspritze letztmalig eingesetzt, um das Wasser aus der Wohnstube zu pumpen. Auch der technische Fortschritt war nicht aufzuhalten. 1947 wurde aus Anlaß des 50 jährigen Bestehens die bis zu diesem Zeitpunkt eingesetzte Feuerwehrspritze ausgemustert und ein Tragkraft-Spritzenanhänger (TSA ) von der Gemeinde angeschafft. Gezogen wurde diese von einem Traktor, der von den Landwirten bereitgestellt wurde. 1950 konnte durch Mittel der Jagdpacht, die durch eine einmalige Nachzahlung der Besatzungsmacht England, die in dieser Zeit das Jagdrecht ausübte, der massive Feuerwehrturm errichtet werden .

"Weißt du noch, als wir damals ...'' so beginnt eigentlich jedes Gespräch zwischen Menschen, die vor Jahrzehnten ihre Jugendzeit im selben Dorf verbrachten und dann wieder einmal beisammensitzen. So war es auch in Engensen, als A.Stolzenberg, H.Nettemeier und H.Hoppe bei einem guten Tropfen über ihre Jugendzeit plauderten. Sie waren drei noch lebende Mitbegründer der Freiwilligen Feuerwehr Engensen, die ihr 60 jähriges Bestehen im Jahre 1957 feierten. Die Feierlichkeiten begannen mit einem Zapfenstreich; im Laufe des Abends wurden die Jubilare geehrt. Am darauffolgenden Sonntag gab es eine Großübung, Festzug und Tanz , und am Montag begingen die Feuerwehrmänner noch die traditionelle gesellige Nachfeier.

Aus den 50 ziger Jahren sei eine Wettkampftruppe zu erwähnen, die sehr erfolgreich die Wettkampfübung "Heimberg Fuchs" bestritt und die Wehr über die Wulbeckgrenzen hinaus bekannt machte. Bis in den damaligen Kreis Burgdorf war diese Gruppe bekannt und für die ersten Plätze gefürchtet. Zusammenhalt und Kameradschaft prägten diese Gruppe, die bis in die heutige Zeit am Feuerwehrwesen noch teilnimmt.

An Großbränden in diesen Jahren sei der Scheunenbrand im Jahre 1949 in der Nacht zum Schützenfest auf der Hofstelle Homeyer zu berichten. Auch die Hofstelle Wöhler wurde am 10.12.1957 von den Flammen heimgesucht und vernichtet. Zu dieser Zeit war die Wehr führerlos, da der Feuerwehrhauptmann Wilhelm Thiele nach 22jähriger Amtszeit aus Krankheitsgründen im Herbst 1957 verstarb. Der damalige Gruppenführer Gustav Garms führte den Einsatz. Wehren aus den Nachbarorten eilten zu Hilfe, aber die Tischlerei, das Wohnhaus und der Dachstuhl des Viehstalles wurden vernichtet.

Als Nachfolger des verstorbenen Brandmeisters Wilhelm Thiele wurde im Januar 1958 sein Sohn Willi Thiele gewählt. Auch im Sommer 1961 heulten wieder die Sirenen. Diesmal stand das Moor in Flammen. Begünstigt durch starke Windeinflüsse aus Richtung Ramlinger Dannen. Immer wieder auflodernde Flammen im Moor führten zu einem langanhaltenden Löschen über einen Zeitraum von einem Vierteljahr. Täglich heulten die Sirenen, so dass zum Schluss, auch bedingt durch die Erntezelt, keiner mehr zum Löschen erschien. Der Kreisbrandmeister und die Polizei mussten beim derzeitigen Brandmeister vorstellig werden, um Ihn auf seine Pflichten hinzuweisen. Auch am Ostersamstag im Jahre 1963 wurde die Wehr zu Hilfe gerufen. Die Hofstelle Lindemann in der Bäckerstraße wurde ein Opfer der Flammen, wobei das Haupthaus völlig herunterbrannte. Den Bewohnern und beteiligten Kameraden, vor allem denen, die noch versuchten aus den brennenden Zimmern Möbel und Kleidung zu retten, blieb dieser Einsatz lange in Erinnerung. Durch den massiven Einsatz unserer Wehr mit den Nachbarwehren, konnte ein Übergreifen auf Nachbargebäude verhindert werden. Für das Jahr 1963 sei die Anschaffung eines Tragkraftspritzenfahrzeuges (TSF-T, VW-Bulli) zu erwähnen. Dadurch bedingt musste das Feuerwehrgerätehaus in westlicher Richtung um 2 Meter erweitert werden. Da die Kameradschaft in diesem Orte sehr großgeschrieben wurde, erfolgte die Erweiterung durch Eigenleistung der Kameraden. Als Dank an seine Kameraden für die erbrachte Eigenleistung am Erweiterungsbau des Gerätehauses wurde eine vom derzeitigen Brandmeister Willi Thiele geschossene Schützenvolksscheibe am Gerätehaus angenagelt. Erzürnung und Spaltung des Dorfes führten nach einem kurzen Aufenthalt der Scheibe an dem Gerätehaus zu einem langandauernden, nicht bekannten Aufenthalt. Nach dem Wiederauffinden in den vergangenen Jahren wurde sie nun an dem Haus des Schützen durch die Alterskameraden wieder angebracht.


Bedingt durch die Unstimmigkeiten im Dorfe, trat 1964 Willi Thiele als Brandmeister zurück und der Ortsbürgermeister Adolf Homeyer übernahm sein Amt. Ein Feuerteufel versetzt im Sommer des Jahres 1966 die Einwohner unseres Ortes in Angst und Schrecken. lm Zeitraum August/September wurden mehrere Brände gelegt. Immer in der Nacht von Freitag auf Samstag, pünktlich um 1 Uhr 30 heulten die Sirenen. Doch auch von den Feuerwehrmännern eingeteilte Wachen im Gerätehaus und auf Kontrollfahrten im Dorf konnten dem Feuerteufel nicht das Handwerk legen .

Nach der 6 jährigen Dienstzeit Adolf Homeyers als Brandmeister wurde Horst Möller sein Nachfolger. Noch einmal sollte es zu einem gewaltigen Waldbrand vor dem Moore kommen. Riesenhafte Rauchwolken setzten im Sommer 1975 die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Getrieben von starken Winden rollte eine unaufhaltsame Feuerwelle vom Ramlinger Danne in Richtung Wohngebiet am Lahberg. Bevor das Feuer den Lahberg erreichte, schlug der Wind um. Wehren des gesamten Landkreises waren über mehrere Wochen im Einsatz. Hierbei wurde das zuvor neu in Dienst gestellte Fahrzeug TSF ( Ford Transit ) eingesetzt. Um den Nachwuchs besorgt, wurde im Jahre 1974 eine Jugendfeuerwehr ins Leben gerufen. 9 Jugendliche meldeten sich unter der Führung des Kameraden Hähling zum Feuerwehrdienst.

Damit die Einsatzkraft gestärkt wird, wurde 1978 aus Spendenmitteln ein zweites Fahrzeug MZF(Mehrzweckfahrzeug, Ford Transit) angeschafft.

In dem Jahre 1981 erfolgte ein weiterer Führungswechsel, Horst Möller gab sein Amt an Brunhart F. Vogel ab. In den nachfolgenden Jahren wurde unser Dorf von größeren Bränden verschont, so dass sich die Wehr auf ein nochmaliges Umbauen des Gerätehauses im Jahre 1986/87 besinnen konnte. Die Fahrzeughalle wurde erweitert und der Dachstuhl zu einem Schulungsraum umgebaut. Diese Arbeiten erfolgten durch große kameradschaftliche Eigenleistungen. 1988 konnten ein neues TSF und ein neues MZF des Fabrikates Mercedes-Benz in der neu eingerichteten Fahrzeughalle untergestellt werden. Pflege der Kameradschaft und Ausweitung der Mitgliederanzahl werden in diesen Jahren vorangetrieben. Im Jahre 1993 erfolgte der Museumsanbau, in dem die renovierte Feuerwehrspritze einen würdigen Standort erhielt.